Am 29. Mai hat die Tegeler Fluglärmkommission beschlossen, das Nachtflugverbot für Tegel massiv einzuschränken. War bis dahin die Zeit zwischen 23:00 und 6:00 mit Ausnahme verspäteter Ankünfte für die Airlines tabu, drohen nun in dieser Zeit eine erhebliche Zahl von Starts und Landungen – und das noch nach der Eröffnung des BER, die frühestens im März 2013 erfolgt. Das bedeutet über ein Jahr noch mehr Lärm und noch mehr Emissionen für Spandau.

Die Empörung im Norden ist riesengroß, denn nach jahrzehntelanger Belastung ist nun endlich genug! Die südlichen Ortsteile Spandaus teilen diese Empörung und werden ihre nördlichen Nachbarn in ihrem Widerstand unterstützen. Als erste gemeinsame Maßnahme haben die „Bürgerinitiative Spandauer Süden gegen Fluglärm“ und die Initiative „Bürgerinnen und Bürger gegen das Luftkreuz an Stadtflughäfen“ einen offenen Brief an Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank verfasst, in dem sie von ihm fordern, gegen die Einschränkung des Tegeler Nachtflugverbots vorzugehen und das Volksbegehren für ein Nachtflugverbot von 22:00 bis 6:00 am BER zu unterstützen.

Wir warten mit Spannung auf die Reaktion unseres Bürgermeisters, der sich im Wahlkampf für ein Nachtflugverbot ausgesprochen und unsere Forderung „Gesundheit vor Wirtschaftlichkeit“ unterstützt hat.

 

Offener Brief an den
Spandauer Bezirksbürgermeister
Helmut Kleebank.

Sehr geehrter Herr Kleebank,

nach der Verschiebung der BER-Eröffnung ist für unseren Bezirk keine Entlastung vom Flugverkehr abzusehen. Spandauerinnen und Spandauer im Norden werden nach wie vor unter dem Fluglärm durch Tegel leiden und auch die Lage im Süden hat sich weiter verschlechtert. Bereits jetzt werden Gatow und Kladow bei Ostwetterlage in ca. 1000 Meter Höhe von Flugzeugen überquert, die in Schönefeld landen. Im Norden wie im Süden Spandaus ist man sich deshalb einig, dass etwas geschehen muss, damit sich die Lage nicht weiter verschlechtert.

Wie wir am 29. Mai in RBB Aktuell erfahren haben, hat die Tegeler Fluglärmkommission beschlossen, das bestehende Nachtflugverbot massiv einzuschränken und Flüge auch nach 23:00 zuzulassen. Die Konsequenz: Noch mehr Dreck und Lärm für unseren Bezirk. Was tun Sie dagegen? Wie gehen Sie gegen die Versuche vor, die Zahl der Flüge vor allem in den Morgenstunden zu erhöhen? Wie wird sich Spandau zukünftig in der Tegeler Fluglärmkommission verhalten, um sicherzustellen, dass das geltende Nachtflugverbot nicht weiter eingeschränkt wird?

Am 29. Mai hat außerdem die zweite Stufe des Volksbegehrens für ein umfassendes Nachtflugverbot von 22:00 bis 6:00 am zukünftigen Flughafen BER begonnen. Das Umweltbundesamt, die Deutsche Herzstiftung und zahlreiche Ärzte weisen auf die gesundheitsschädigenden Folgen nächtlichen Fluglärms hin und setzen sich für ein solches Nachtflugverbot ein. Was werden Sie unternehmen, um die Spandauer Bürgerinnen und Bürger über das Volksbegehren zu informieren? Werden Sie aktiv für die Stimmabgabe werben, oder werden Sie sich auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum beschränken und lediglich Unterschriftenlisten in den Bezirksämtern auslegen?

Wir erwarten von den Politikern unseres Bezirks und insbesondere von unserem Bürgermeister konkrete Maßnahmen, um das Nachtflugverbot in Tegel zu sichern und langfristig die für uns alle nötige Nachtruhe von 22:00 bis 6:00 zu schützen. Im Wahlkampf haben Sie sich unserer Forderung „Gesundheit vor Wirtschaftlichkeit“ angeschlossen und ein Nachtflugverbot unterstützt. Jetzt ist es an der Zeit zu zeigen, dass Sie nicht zu den Politikern gehören, die nach der Wahl all das vergessen, was sie gesagt und versprochen haben.

Die Bürgerinitiativen „Spandauer Süden gegen Fluglärm“ und „Bürgerinnen und Bürger gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen“ bitten Sie daher eindringlich um Ihre Unterstützung zum Erhalt des Nachtflugverbots für Tegel von 23:00 bis 6:00 und um Ihren Einsatz bei der Durchführung des Volksbegehrens.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Manfred Thüring
BISS – Bürgerinitiative Spandauer Süden gegen Fluglärm

Rolf-Roland Bley
Bürgerinnen und Bürger gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen

 

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  1. B. Stoff sagt:

    Luftverkehrssteuer – für ALLE zu teuer ???

    Bei der Bewertung der dargestellten Fakten muss man davon ausgehen, dass der >Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft<, kurz BDL vornehmlich eigene
    Interessen für seine Selbstdarstellung benennt.
    Nicht mit einem Wort geht der BDL auf die rasant zunehmende Luft- und Umweltverschmutzung durch Kerosin-
    Emissionen ein. Wissenschaftliche Forschungen belegen vielfach, und dies seit Jahren, daß ein direkter Zusammenhang zwischen Kerosin Ablagerungen u.a. auf Feld-und Gartenfrüchten und einer steigenden Krebsrate in Einzugsgebieten von Flugverkehrsanlagen (Flughäfen) zu erkennen ist.
    Stattdessen wird in dieser vor Optimismus strotzenden
    BDL-Publikation auch über einen sinkenden Kerosin Verbrauch berichtet, der in Zusammenhang mit der Wäsche eines Flugzeuges gebracht wird. Einfach abenteuerlich !
    Ähnlich argumentierte die Atomstrom-Lobby als die "Umweltfreundlichkeit" eines AKW mit dem CO2-Ausstoss
    eines konventionellen Kraftwerks (Kohle/Gas) verglichen wurde.
    Über die Reduzierung des Fluglärms am Entstehungsort Flugzeug, von umweltverträglicheren Flugrouten (pro Mesnch!), die über schwach besiedelte Gebiete führen,
    erfahren wir vom BDL leider nichts.

    Zusammenfassend bin ich der Meinung, daß auch zukünftig
    die Erhebung der Luftverkehrssteuer unerläßlich bleibt,
    daneben die Einführung einer Kerosin-Steuer wünschenswert ist und zusätzlich die Einführung flugverkehrsfreier Sonn- und Feiertage, damit Sie in Zukunft einen optimierten Energieeffizienz Report präsentieren können, Herr Klaus-Peter Siegloch !

    berichtet

  2. gold account sagt:

    Schluss mit dem Irrsinn des stetigen Wachstums der Flugverkehrswirtschaft! Alte Müller-Weisheit: Zuviel zerreisst den Sack! Mineralölsteuer auf Kerosin einführen, Ende der Flugverkehrssubventionen durch Staaten! Externe Kosten des Flugverkehrs nach dem Verursacherprinzip in die Ticketkosten einbeziehen. Nachhaltigkeit einfordern, an nachfolgende Generationen denken! Nachtflugverbot von mindestens 22:00 – 06:00 Uhr europaweit einführen! Ausreichende Nachtruhestunden für Kinder!

  3. Barbara sagt:

    In der letzten dreiviertel Stunde (Donnerstag, 05.07.2012/ 23.45 Uhr bis Freitag, 06.07.2012/ 00.30 Uhr) sind 13 Maschinen über unser Hausdach (Wedding) geflogen: 23.45/ 23.46/ 23.48/ 23.50/ 23.53/ 23.56/ 23.58/ 23.59/ 00.01/ 00.03/ 00.05/ 00.06/ 00.22/ 00.24/ 00.28/ 00.35 Uhr. Als ich gegen Mitternacht das Tegel-Callcenter anrief, erhielt ich (wirklich!, vorgetragen im Brustton der Überzeugung) die Auskunft, bis 0.00 Uhr sei es völlig legitim und erlaubt, zu fliegen. Es handele sich auch “nur” um Flugzeuge, die eben noch landen müssten, weil sie wegen des Wetters nicht konnten. Als ich ihr bezüglich der Uhrzeit widersprach, wurde die Callcenter-Mitarbeiterin am anderen Ende erst pampig und legte dann auf. Davon mal abgesehen, dass es auch jetzt nach Mitternacht munter weitergeht, steht ja wohl fest, dass die zeitliche Grenze (leider erst aber immerhin doch) bei 23.15 Uhr liegt und alles danach eben nicht mehr legitim ist. Gerade jetzt (00.43 Uhr) fliegt schon wieder eine Maschine. Und ich meine auch, dass all die Maschinen, die ich gehört habe, nicht gelandet sind, sondern starteten. Als (aus Überzeugung flugreisenabstinente) Familie mit kleinen Kindern hatten wir uns so unendlich sehr auf die fluglärmfreie Zeit gefreut, um die wir uns jetzt nicht nur betrogen sehen, nein, wir werden auch noch mit zusätzlichem Lärm belastet. Gibt es eigentlich neben den ganzen BER-Initiativen, die sich mit der Zukunft befassen, auch eine konkret auf Tegel bezogene, die sich mit der akuten Problematik der Nachtflüge befasst? Weiß jemand etwas über eine offene Klage, der man sich anschließen könnte? An wen kann man sich wenden, wenn so offensichtlich wie in dieser Nacht geltende Normen übertreten werden? Es ist jetzt 00.56 Uhr, und eben ist wieder eine Maschine über uns hinweggedonnert. Das kann man sich doch nicht einfach bieten lassen? Danke für hilfreiche Antworten.

    • Carola Napieralla sagt:

      Liebe Barbara,
      die Initiative “Bürgerinnen und Bürger gegen das Luftkreuz an Stadtflughäfen” wäre hier der naheliegendste Ansprechpartner. Die Bürgerinitiative ist seit Jahren aktiv im Kampf für Ruhe um Tegel. Wir, die Biss, arbeiten mit dieser BI eng zusammen, da der Kampf gegen BER und der Kampf gegen Tegel sich keineswegs ausschließen sondern ergänzen. Wenn Sie es wünschen, senden Sie mir eine Mail: carola.napieralla @ bissgegenfluglaerm.de, dann sende ich IHnen die Kontaktdaten für die Nord-BI!
      Viele GRüße
      Carola Napieralla

  4. Hans Meier sagt:

    Als ich das mir dem BER gehört habe bin ich fast explodiert vor Wut, als Süd-Reinickendorfer habe ich nun Fluglärm in geballter Ladung bis wohl mindestens September 2013. Den BER Willy Brandt zu nennen war ein böses Omen, denn Willy Brandt schied durch die Guillaume-Affäre unehrenhaft aus dem Kanzleramt aus und hat es nicht verdient, dass Straßen und Airports nach ihm bennant werden. Katastrophenkanzler für Katastrophenairport, na ditt passt ja!!! Wowereit Sie haben versagt!!!

  5. Arndt Meißner sagt:

    Bezug nehmend auf Ihre Email vom 31. Mai kann ich Ihnen die Unterstützung der CDU-Fraktion Spandau zusagen. Das Interesse der Spandauerinnen und Spandauer an der Einhaltung des Nachtflugverbotes wird von uns geteilt.
    Am 23. Mai hat die BVV Spandau das Bezirksamt damit beauftragt, sich mit Nachdruck gegen Einschränkungen der bisher geltenden Regelungen einzusetzen.

    Wir hoffen wie Sie auf den entsprechenden Erfolg und werden den Bezirksbürgermeister in die Pflicht nehmen, seine Versprechen umzusetzen.

  6. Corleisen sagt:

    Tegel ist de facto Flugkreuz geworden. D.h., dass über den Spandauer Norden Einflugschneisen bestehen, die auch Langstreckenmaschinen nutzen. Die enstehende gesund-
    heitliche Belastung hat sich extrem erhöht. Daher ist es selbst für eine Übergangszeit zwingend notwendig das bestehende Nachtflugverbot umzusetzen und durch entsprechende Start- und Landverfahren – wie bereits erprobt – die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten.

  7. ems sagt:

    Bin italienerin,seit 1966 in Deutschland,ca.30 Jahre in Berlin und darf, weil ich keinen deutschen Pass habe nicht an dem Volksbegehren für das Nachtflugverbot (22h-6h) teilnehmen. Ich wohne im Spandauer Süden und bin wie Deutsche (z.B. mein Mann) von Lärm betroffen. Oder nicht? Wer hat sich das ausgedacht, dass nur Deutsche teilnehmen dürfen? Merkwürdig oder?

  8. Jochen sagt:

    Die SPD-Fraktion hat sich in der vergangenen Sitzung der BVV eindeutig zum Beibehalten des bisher geltenden Nachtflugverbotes bekannt: Auf Antrag der GAL- Fraktion hat die BVV nahezu einstimmig eine entsprechende Forderung an den Berliner Senat verabschiedet. Die bisherigen Überschreitungen und Missachtungen des Nachtflugverbotes beinhaltet dies natürlich nicht (z.B. Air Berlin nach 23 Uhr usw.) Damit hat die bisherige Spandauer Position, die bereits vor Jahrzehnten von der SPD Spandau entwickelt wurde und seitdem –gelegentlich auch gegen die eigene Partei auf Landesebene- Bestand.
    Vielen Dank an dieser Stelle für Ihr/Euer Engagement!

  9. Emilio sagt:

    Die Spandauer Fraktion der PIRATEN ist gegen eine Aufweichung der Nachtflugverbote und wird sich auch weiterhin dafür stark machen.

    Bitte beachten Sie unsere entsprechende Pressemeldung:

    http://www.openpr.de/news/635304/PIRATEN-Spandau-gegen-Nachtfluege-in-Tegel.html

    http://berlin.de/ba-spandau/bvv-online/vo020.asp?VOLFDNR=6823

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