Kein Fluglärm für den Spandauer Süden?
Ein Flugkapitän nimmt Stellung zu den neuen Flugrouten

 

Das folgende Interview wurde mit einem aktiven und erfahrenen Flugkapitän einer großen Airline geführt, der sich nicht nur bestens mit den aktuellen Verhältnissen in Tegel und Schönefeld auskennt, sondern auch abschätzen kann, welche Konsequenzen sich aus den derzeit geplanten Flugrouten ergeben. Da er anonym bleiben möchte, wird sein Name nicht genannt.

 

Wenn man sich die Flugrouten anschaut, die von der DFS am 6. September
veröffentlicht wurden, scheint man sich in Spandau keine Sorgen
um Fluglärm
machen zu müssen, denn die startenden Maschinen knicken
ja vorher ab.
Ist das tatsächlich der Fall?

So pauschal kann man das nicht sagen: Die Abflugrouten werden ja DFS-seitig nur als ein schmaler Strich dargestellt, der aber in der Realität durchaus eine Breite von 3-4 km haben kann; und schon wird Kladow überflogen. Des weiteren darf man auch nicht vergessen, dass gerade über dem Wasser von Havel und Wannsee die Schallausbreitung sehr gut und fast ungestört ist. Und als letzter Punkt muss  erwähnt werden, dass ab einer bestimmten Höhe von diesen Routen abgewichen werden darf, was bei einer Freigabe in nördlicher oder nordwestlicher Richtung zu einem kompletten Überflug von ganz Spandau führen kann.

In welchen Höhen wird denn der Süden Spandaus bei Starts oder auch Landungen überflogen, wenn die neuen Routen Realität werden?
Die Bandbreite, die dann zu erwarten ist, hängt bei den Abflügen sehr stark von den Flugzeugmustern ab. Sie wird aber durchaus von im Bereich zwischen 1200m und 3000m liegen können. Die Anflüge sind höchstwahrscheinlich sogar noch tiefer.

Mit welcher Lärmbelästigung ist dann beispielsweise für Kladow, Gatow, Wilhelmstadt und ande­re benachbarte Ortsteile zu rechnen?
In den Bereichen der Stadt, die grundsätzlich eher ruhig sind, wird es zu einer massiven Verlärmung kommen, da man Stille gewöhnt ist. Und da der Lärm von oben kommt, nützt es auch nichts, wenn man im Sommer das Fenster “hinten raus” öffnet. Jeder wird es merken, und  für jeden wird sich die Lebensqualität verschlechtern.

Bisher liest man meist nur etwas über die geplanten Abflugrouten. Heißt das, dass sich die Spandauer über die Anflüge auf den BBI keine Sorgen machen müssen?
Öffentlich sind bis jetzt nur die Abflugrouten diskutiert worden. Um den Anflug ist es noch recht still. Ich denke, das ist auch so gewollt, da das Anflugverfahren, so wie es bis jetzt geplant ist, fast die gesamte Stadt verlärmen wird und das in einer Höhe von ca. 1000 m.

Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass die startenden Maschine nicht wie im Planfeststellungsverfahren vorgesehen an Berlin und Potsdam vorbeifliegen, sondern einen Bogen über die beiden Städte fliegen?
Zu dieser Fragestellung gibt es viele vorgeschobene Argumente der Verantwortlichen: die 15 Grad– Regel der ICAO, unabhängiger Parallelbetrieb, Entlastung einzelner Bereiche, Gleichverteilung der Belastung und vieles mehr. Fakt ist aber: Es gibt keinen notwendigen Grund, den Verkehr über eine Millionenstadt und dessen dicht besiedelte Anreinergemeinden zu führen. Alle vorgebrachten Gründe könnten auch ohne den Überflug der Stadt berücksichtigt werden.

In den letzten Wochen scheinen bereits mehr Flugzeuge über den Spandauer Süden zu fliegen als früher. Hat sich denn etwas an den bestehenden Flurouten für Tegel und Schönefeld geändert?
An den veröffentlichten Routen hat sich nichts geändert. Aber durch den Wegfall des Tempelhofsektors hat die Flugsicherung mehr Freiheit in der Verkehrslenkung und nutzt diese auch. Der derzeitige Verkehr über unseren Köpfen ist aber nur ein Bruchteil des zu erwartenden, wenn die vorgestellten Routen so bleiben, Tegel geschlossen wurde und BBI in Betrieb ist.

 

Wenn man sich die Flugrouten anschaut, die von der DFS am 6. September veröffentlicht wurden, scheint man sich in Spandau keine Sorgen um Fluglärm machen zu müssen, denn die startenden Maschinen knicken ja vorher ab. Ist das tatsächlich der Fall? So pauschal kann man das nicht sagen: Die Abflugrouten werden ja DFS-seitig nur als ein schmaler Strich dargestellt, der aber in der Realität durchaus eine Breite von 3-4 km haben kann; und schon wird Kladow überflogen. Des weiteren darf man auch nicht vergessen, dass gerade über dem Wasser von Havel und Wannsee die Schallausbreitung sehr gut und fast ungestört ist. Und als letzter Punkt muss erwähnt werden, dass ab einer bestimmten Höhe von diesen Routen abgewichen werden darf, was bei einer Freigabe in nördlicher oder nordwestlicher Richtung zu einem kompletten Überflug von ganz Spandau führen kann. In welchen Höhen wird denn der Süden Spandaus bei Starts oder auch Landungen überflogen, wenn die neuen Routen Realität werden? Die Bandbreite, die dann zu erwarten ist, hängt bei den Abflügen sehr stark von den Flugzeugmustern ab. Sie wird aber durchaus von im Bereich zwischen 1200m und 3000m liegen können. Die Anflüge sind höchstwahrscheinlich sogar noch tiefer. Mit welcher Lärmbelästigung ist dann beispielsweise für Kladow, Gatow, Wilhelmstadt und ande­re benachbarte Ortsteile zu rechnen? In den Bereichen der Stadt, die grundsätzlich eher ruhig sind, wird es zu einer massiven Verlärmung kommen, da man Stille gewöhnt ist. Und da der Lärm von oben kommt, nützt es auch nichts, wenn man im Sommer das Fenster “hinten raus” öffnet. Jeder wird es merken, und für jeden wird sich die Lebensqualität verschlechtern. Bisher liest man meist nur etwas über die geplanten Abflugrouten. Heißt das, dass sich die Spandauer über die Anflüge auf den BBI keine Sorgen machen müssen? Öffentlich sind bis jetzt nur die Abflugrouten diskutiert worden. Um den Anflug ist es noch recht still. Ich denke, das ist auch so gewollt, da das Anflugverfahren, so wie es bis jetzt geplant ist, fast die gesamte Stadt verlärmen wird und das in einer Höhe von ca. 1000 m. Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass die startenden Maschine nicht wie im Planfeststellungsverfahren vorgesehen an Berlin und Potsdam vorbeifliegen, sondern einen Bogen über die beiden Städte fliegen? Zu dieser Fragestellung gibt es viele vorgeschobene Argumente der Verantwortlichen: die 15 Grad– Regel der ICAO, unabhängiger Parallelbetrieb, Entlastung einzelner Bereiche, Gleichverteilung der Belastung und vieles mehr. Fakt ist aber: Es gibt keinen notwendigen Grund, den Verkehr über eine Millionenstadt und dessen dicht besiedelte Anreinergemeinden zu führen. Alle vorgebrachten Gründe könnten auch ohne den Überflug der Stadt berücksichtigt werden. In den letzten Wochen scheinen bereits mehr Flugzeuge über den Spandauer Süden zu fliegen als früher. Hat sich denn etwas an den bestehenden Flurouten für Tegel und Schönefeld geändert? An den veröffentlichten Routen hat sich nichts geändert. Aber durch den Wegfall des Tempelhofsektors hat die Flugsicherung mehr Freiheit in der Verkehrslenkung und nutzt diese auch. Der derzeitige Verkehr über unseren Köpfen ist aber nur ein Bruchteil des zu erwartenden, wenn die vorgestellten Routen so bleiben, Tegel geschlossen wurde und BBI in Betrieb ist.
 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>